Doppelte Haushaltsführung

Wenn ein Steuerpflichtiger neben der Wohnung, in der seine Familie lebt, bzw. sein Hausstand geführt wird, aus beruflicher Veranlassung noch eine zweite Wohnung an seinem Arbeitsort unterhält, dann liegt eine doppelte Haushaltsführung vor. Dies kommt meist dann zustande, wenn Arbeitnehmer versetzt werden oder neue Arbeitsstellen außerhalb ihres Wohnorts antreten. Um eine doppelte Haushaltsführung im steuerlichen Sinne handelt es sich jedoch nicht, wenn ein Arbeitnehmer außerhalb seines Arbeitsortes eine zweite Wohnung bezieht und die Wohnung am Arbeitsort weiterhin beibehält. In der Steuererklärung können die Aufwendungen, die dem Arbeitnehmer aufgrund der doppelten Haushaltsführung entstehen, bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit als Werbungskosten geltend gemacht werden. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass der entstandene Mehraufwand dem Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber steuerfrei ersetzt wird. Hier kommen beispielsweise für eine steuerliche Berücksichtigung als notwendiger Mehraufwand im Zusammenhang mit doppelter Haushaltsführung eine wöchentliche Heimfahrt, Kosten für Familienferngespräche, Fahrtkosten zu Beginn und Ende einer doppelten Haushaltsführung, Umzugskosten, für die Zweitwohnung anfallende Aufwendungen wie Miete oder Einrichtungskosten sowie Verpflegungsmehraufwand für drei Monate in Betracht. Ging eine Dienstreise der Tätigkeit am neuen Arbeitsort voraus, so ist diese Zeit auf die genannte Dreimonatsfrist anzurechnen.

Tipp der Ratzke Hill Partnerschaftsgesellschaft

Das Bundesverfassungsgericht entschied mit Beschluss vom 04.12.2002, dass eine doppelte Haushaltsführung ohne zeitliche Begrenzung anzuerkennen sei (zuvor maximal für zwei Jahre), sofern beide Ehepartner einer Berufstätigkeit nachgehen. Diese neue Rechtslage ist seit 2003 anzuwenden. Die doppelte Haushaltsführung ist im Falle einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls anzuerkennen. Die Voraussetzung hierfür sind das Vorhandensein von mindestens einem gemeinsamen Kind und die Berufstätigkeit beider Partner. Weiter müssen beide Partner eine Wohnung als gemeinsamen Lebensmittelpunkt bestimmt haben. Jedoch muss die Bestimmung des gemeinsamen Lebensmittelpunkts nach einem Urteil des BFH mit der Geburt des gemeinsamen Kindes in einem zeitlichen Zusammenhang stehen. Laut aktueller BFH-Rechtsprechung können auch ledige Arbeitnehmer eine doppelte Haushaltsführung begründen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Arbeitnehmer seinen Haupthaushalt am Ort seines Lebensmittelpunktes führt. Die doppelte Haushaltsführung besteht selbst dann weiter, wenn der Hauptwohnsitz innerhalb eines Ortes verlegt wird. Laut BFH stellt selbst ein Umzug aus der ehelichen Wohnung in die Wohnung der Lebensgefährtin, die sich nur wenige Straßen entfernt befindet, die doppelte Haushaltsführung ebenfalls nicht infrage.

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