Finanzierungskosten

Definition: Was sind Finanzierungskosten?

Alle Aufwendungen, die im Zuge einer Kreditbeschaffung anfallen, werden als Finanzierungskosten bezeichnet. Zum Beispiel gehören hierzu Vermittlungsprovisionen, Zinsen, Bearbeitungsgebühren, Disago (Abgeld) sowie Notarkosten bei Grundbucheintragungen im Falle einer Besicherung durch Hypothek oder Grundschuld.

Inhaltsverzeichnis

  • Sind Finanzierungskosten von der Steuer absetzbar?
  • Können die Finanzierungskosten für eine Immobilie abgesetzt werden?
  • Lassen sich die Kreditkosten eines Studienkredits absetzen?
  • Können die Kosten für Autokredite abgesetzt werden?
  • Welche Finanzierungskosten können abgesetzt werden?
  • Können die Kosten für ein unbebautes Grundstück abgesetzt werden?

Sind Finanzierungskosten von der Steuer absetzbar?

Gemäß § 9 Abs. 1 EStG sind Finanzierungskosten als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben sofort abzugsfähig und mindern den zu versteuernden Gewinn im Jahr der Entstehung – wenn ein unmittelbarer wirtschaftlicher Zusammenhang mit der Erzielung von Einkünften besteht, beispielsweise wenn ein neuer Firmenwagen ganz oder teilweise über einen Kredit finanziert wird. Aber auch eine Immobilienfinanzierung für ein Mietobjekt oder ein Ausbildungskredit kommen in Frage.

Kreditzinsen sind als Finanzierungskosten im jeweiligen Veranlagungszeitraum sofort abzugsfähig. Nicht direkt abzugsfähig sind Finanzierungskosten, wenn diese durch den Käufer eines Wirtschaftsguts vom Verkäufer übernommen werden. In diesem Fall werden diese wie Anschaffungskosten behandelt (z. B. Zinsen für bereits bestehende Kredite beim Kauf einer Immobilie).

Können die Finanzierungskosten für eine Immobilie abgesetzt werden?

Ob die Kosten für ein Darlehen zur Finanzierung einer Immobilie abgesetzt werden können oder nicht, hängt vor allem von der Nutzung des Objekts ab:

Privat genutzte Eigentumswohnung

Die Zinsen sind nicht abzugsfähig, wenn ein Eigenheim zur ausschließlich privaten Nutzung per Darlehen finanziert wird. In diesem Fall handelt es sich um nicht abzugsfähige Aufwendungen im Rahmen der privaten Lebensführung.

Finanzierung einer Wohnung im Rahmen der doppelten Haushaltsführung

Befindet sich die Wohnung eines Arbeitnehmers zu weit von der ersten Tätigkeitsstätte entfernt, kann er die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung steuerlich geltend machen. Dies gilt auch für die Zinsen, wenn eine Wohnung gekauft wird oder zum Beispiel eine Einbauküche für eine gemietete Unterkunft über ein Darlehen finanziert werden muss.

Vollständig vermietetes Objekt

Wird die Immobilie vollständig vermietet, so sind die Aufwendungen für die Finanzierung in voller Höhe als Werbungskosten ansetzbar. Sie mindern die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.

Finanzierung einer Immobilie mit gemischter Nutzung

Wird eine Immobilie privat genutzt und nur zu einem Teil vermietet, so kann nur der Teil der Finanzierungskosten abgesetzt werden, der sich auf den vermieteten Teil bezieht. Ein typisches Beispiel für gemischt genutzte Gebäude sind Einfamilienhäuser, bei denen eine Einliegerwohnung im Keller vermietet wird.

Bei der gemischten Nutzung müssen die Kosten entsprechend der Flächenverhältnisse aufgeteilt werden (Urteil des BFH vom 24. Juni 2008, Az. IX R 26/06).

Beispiel: In einem Einfamilienhaus mit einer gesamten Wohnfläche von 250 m² wird eine Einliegerwohnung mit einer Fläche von 75 m² vermietet. Der vermietete Teil entspricht einem Nutzungsanteil von 30 Prozent. Somit können 30 Prozent der Kosten steuerlich geltend gemacht werden.

Keine Aufteilung nach Flächenverhältnissen ist erforderlich, wenn sich die Fremdmittel eindeutig dem vermieteten Wohnungsteil zuordnen lassen. Dies lässt sich beispielsweise erreichen, indem man für die zwei Bereiche der Immobilie alles getrennt verbucht (z. B. gesonderte Kauf- und Darlehensverträge, gesonderte Konten, aufgeteilte Handwerkerrechnungen).

Lassen sich die Kreditkosten eines Studienkredits absetzen?

Wird ein Studium per Studienkredit finanziert, lassen sich die Finanzierungskosten steuerlich geltend machen:

  • Bachelorstudium: Für das Erststudium können die Zinsen bis zu einer Höhe von maximal 6.000 Euro jährlich als Sonderausgaben angesetzt werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG), allerdings nur im Jahr der Entstehung.
  • Masterstudium: Da es sich beim Masterstudium um eine Zweitausbildung handelt, lassen sich die Finanzierungskosten in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten ansetzen (§ 9 Abs. 6 EStG). Dabei ist auch ein Verlustvortrag in spätere Steuerjahre möglich.

Können die Kosten für Autokredite abgesetzt werden?

Die Finanzierungskosten für ein Fahrzeug können nur dann von der Steuer abgesetzt werden, wenn es beruflich bzw. geschäftlich genutzt wird. Die Nutzung für die Fahrt zur Arbeit ist dafür allerdings nicht ausreichend. Der Steuerpflichtige hat die Wahl, ob er pauschal 0,30 Euro pro Kilometer oder die tatsächlichen Kosten ansetzen möchte. In letzterem Fall kann er auch die Finanzierungskosten berücksichtigen.

Hinweis: Wird das Fahrzeug auch privat genutzt, so können die Kosten nur anteilig im Verhältnis der beruflichen Nutzung in der Steuererklärung angegeben werden.

Welche Finanzierungskosten können abgesetzt werden?

Zu den Finanzierungskosten zählen alle Kosten, die mit der Beschaffung von Fremdmitteln in Verbindung stehen:

  • Schuldzinsen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG)
  • Disagio
  • Provision
  • Verwaltungs- und Bearbeitungsgebühren
  • Bereitstellungszinsen
  • Umschuldungskosten
  • Notar- und Gerichtsgebühren
  • Gebühren in Zusammenhang mit einem Bausparvertrag
  • Kosten für eine Rechtsberatung

Bei Damnum, Disagio sowie Bearbeitungsgebühren ist die 5-Jahres-Frist zu beachten:

Darlehenslaufzeit  Marktüblichkeit der Gebühren Absetzbarkeit der Finanzierungskosten
< 5 Jahre - Ja
> 5 Jahre Ja Ja
> 5 Jahre Nein Verteilung der Kosten auf die Darlehenslaufzeit nach § 11 Abs. 2 Satz 3 EStG

 

 

 

 

 

Man geht davon aus, dass ein Damnum "marktüblich" ist, wenn es bei einem auf fünf Jahre festgeschriebenen Darlehen bis zu 5 Prozent beträgt (BMF-Schreiben vom 20. Oktober 2003, BStBl. I 2003).

Können die Kosten für ein unbebautes Grundstück abgesetzt werden?

Wird ein unbebautes Grundstück mit einem Darlehen finanziert, so sind die Kosten nur dann absetzbar, wenn der Käufer eine konkrete Bauabsicht für ein Mietobjekt verfolgt.

Quellen

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